Auf der Bühne

Schluckauf

Motor Nicht 9 1/2 Wochen, sondern 1 1/2 Jahre und einen Motorbrand brauchte es, bis die kleine Maschine endlich unter allen Bedingungen sauber lief. Einen großen Anteil daran hatte die Zündung. Ich baute eine kontaktlose Zündung in Form eines Pertronix-Zündverteilers mit Ignitor-Zündmodul ein. Eine optisch und funktional völlig originalgetreue, sehr preiswerte Alternative zum Originalverteiler. Der Zündzeitpunkt beträgt natürlich 7,5° vor OT. Die Markierung auf der (Ersatz-)Riemenscheibe zeigte jedoch den OT an -das sollte man wissen...

Dennoch lief der Motor erst sauber, nachdem ich den BROSOL-Vergaser durch ein VW-Originalteil ersetzt und bei diesem Benzinpegel, Beschleunigungspumpe, Drosselklappe und Leerlaufgemisch peinlich genau eingestellt hatte. Dafür verzichtete ich auf ein paar Mehr-PS.

Der erwähnte Motorbrand gab mir Gelegenheit, den Motor komplett neu abzudichten. Besonders die Dichtungen des Ölkühlers hatten den Austausch ausgesprochen nötig. Und in diesem Zuge wird nicht nur die verschmorte Lichtmaschine ausgetauscht, sondern auch eine neue Benzinpumpe verbaut.

Frischluft

Motor Die Luftkühlung des Käfer-Motors wird unterschätzt. Sie ist eine komplexes System, das über Jahrzehnte durch die VW-Ingenieure optimiert wurde. Zum einen gibt es eine ausgeklügelte Luftführung mittels diverser Leitbleche. Zum anderen verfügt der Motor über thermostatisch gesteuerte Kühlluftklappen, die ein schnelleres Aufwärmen des Motors ermöglichen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Systems. Bei meinem Käfer fehlten sie (wer würde eigentlich bei einem wassergekühlten Motor den Thermostaten entfernen?), so daß der Motor bei Normalbetrieb seine Betriebstemperatur nicht erreichte. Das wiederum führte zu einem bockigen Ansprechverhalten und deutlich erhöhtem Benzinverbrauch - sicher auch zu erhöhtem Verschleiß.

Allen, die dies bezweifeln, sei es empfohlen, eine Öltemperaturanzeige nachzurüsten, analog einer Kühlwassertemperaturanzeige... Bei normaler Fahrweise erreicht das Öl spätestens nach einer Viertelstunde 80°C, auf der Autobahn stabile 95°C. Ohne die Kühlluftklappen jedoch wird das Öl auch nach einer Stunde Fahrt kaum wärmer als 60°C.

Falls nun der Thermostat wirklich defekt, also undicht, sein sollte, dehnt er sich automatisch ein Stück aus, da er bei der Herstellung elastisch komprimiert wurde. Die Rückholfeder am Kühlklappengestänge hinter dem Gebläsegehäuse sorgt in diesem Fall dafür, daß die Klappen komplett geöffnet werden. Auf Neudeutsch heißt das "Fail safe" - sicher gegen Versagen.

Der Original-Thermostat dehnt sich übrigens durch Verdampfen der Alkoholfüllung aus und reagiert daher bei 70°C sehr schnell auf Temperaturanstieg. Nachbau-Thermostate funktionieren mit einem Dehnstoff-Element, das deutlich träger arbeitet.

Inkontinenz

AchsölSchwarze oder grünliche Ölspuren auf einer der hinteren Felgen? Es handelt sich um Getriebeöl, das durch das Achsrohr zur Radlagerung läuft und diese schmiert. Sollten die Dichtungen, speziell der RWDR, verschlissen sein, tritt das - beißend riechende - Getriebeöl am Radlager aus, läuft auf der Rückseite des Rades durch eine Ablaufbohrung ab und wird durch die Fliehkraft verteilt. Bei stehendem Fahrzeug sammelt es sich dann außen in der Felge. Bei größeren Mengen ist es möglich, daß Öl auch in die Trommel und auf die Bremsbacken gelangt. Diese sind dann nicht mehr verwendbar. - Für die 350 Nm der Kronenmutter mit SW 36 empfiehlt sich ein Schlag-Ringschlüssel.

Orthopädischer Eingriff

O-BeineDer Pendelachsen-Käfer hat O-Beine. Um genau zu sein, handelt es sich um einen Sturz von +1°. Das sieht man normalerweise nicht, im Gegensatz zu Goggomobil oder Piaggio Ape. Bei meinem Käfer sah man die O-Beine sehr deutlich - und stand er nicht hinten ein bißchen hoch auf den Rädern? Nachmessen brachte tatsächlich einen Sturz von +1,75°, was weniger ein optisches, sondern vielmehr ein fahrdynamisches Problem darstellte (Stichwort: Heckschleuder). Um also auf den Originalwert zu kommen, mußte er um 24 mm runter. Das entspricht einer Verdrehung des Drehstabs außen um 7 und innen um 6 Zähne (vgl. www.flat4.de). Achtung: Immer einen Wagenheber unter das Federschwert klemmen, sonst Verletzungsgefahr.