Vom DKW zum IFA

Der DKW F9 wurde 1940 nach drei Jahren Entwicklungszeit der Öffentlichkeit vorgestellt. Er trug ein konsequent stromlinienförmiges Kleid und hatte einen sehr günstigen cw-Wert von 0,37 (KdF-Wagen: 0,40)*. Technisch zeichnete er sich durch Frontantrieb mit einem längs eingebauten Dreizylinder-Zweitaktmotor aus.

Als Konkurrent des Volkswagens konzipiert

Die Auto Union, zu der die Marke DKW gehörte, straffte ihr Modellprogramm ab Mitte der 1930er Jahre, um interne Kannibalisierung zu vermeiden, aber auch wegen staatlicher Umverteilung der Ressourcen in Richtung Rüstung.** Man entschied sich für ein oberhalb der bisherigen Modelle angesiedeltes Mittelklasse-Fahrzeug, den F9 (Frontwagen, DKW lfd. Nr. 9) mit Dreizylinder-Zweitaktmotor. Der F9 zielte in Größe, Auslegung und Verkaufspreis direkt auf den staatlich geförderten KdF-Wagen (Volkswagen). Doch wurden die Fertigungskapazitäten aller Autohersteller ab ca. 1942 vollständig für die Produktion von Kriegsgütern benötigt, und so blieb es bei wenigen Prototypen.

Der F9 geht doch noch in Serie

10 Jahre nach Abschluß der Entwicklung wurden unter Verwendung von Kopien der ursprünglichen Konstruktionsunterlagen und eines einzelnen, den Zweiten Weltkrieg überlebenden Prototypen die ersten serienmäßigen Fahrzeuge hergestellt. Knapp 2000 Fahrzeuge entstanden in der DDR ab 1950 als IFA F9 im ehemaligen Audi-Werk Zwickau. Aufgrund der weitreichenden Demontage der früheren sächsischen Automobilindustrie durch die sowjetische Besatzungsmacht und des Wegfalls der westdeutschen Zulieferbetriebe geschah dies unter schwierigsten Bedingungen. Von 1953 bis 1956 lief der IFA F9 dann als EMW 309 im ehemaligen BMW-Werk Eisenach vom Band, Stückzahl ca. 39.000.*** Der Name DKW durfte nicht verwendet werden, da die in Ingolstadt ansässige Auto Union GmbH die Markenrechte besaß und eigene DKW-Fahrzeuge herstellte, die ebenfalls auf dem F9 basierten. War der IFA F9 noch unter dem Logo und Namen des Industrieverbandes Fahrzeugbau vermarktet worden, bekam sein Nachfolger EMW 311 aus dem Jahr 1955 einen eigenen Markennamen spendiert: Wartburg. Er bekam auf die alte F9-Technik eine moderne, viertürige Ponton-Karosserie geschneidert.

Die Prototypen

Den Quellen zufolge gab es 10 bis 14 fahrfertige Prototypen, davon die ersten zunächst mit der quer eingebauten Zweizylinder-Antriebseinheit aus dem F8. Einer der Dreizylinder-Prototypen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus seinem Versteck in Sachsen geholt und als Muster für den F9 benutzt. Auf den ersten Prospekten und Pressefotos ist genau dieser geringfügig umgebaute DKW F9 zu sehen! Ein anderer Prototyp steht seit vielen Jahren restauriert im Audi Museum mobile in Ingolstadt. Und ein dritter Prototyp wurde unlängst in Litauen entdeckt, die Karosse auf einem Skoda-Fahrgestell montiert.